Kommen Sie mit auf eine Zeitreise.
Die eleganten und exakt gearbeiteten Taschenuhren dieser Sammlung fangen die ganze Vielfalt und Perfektion der Uhrmacherkunst ein. Jedes Stück spiegelt die typischen Stilelemente einer bestimmten Epoche wider und nimmt Sie so mit auf eine Zeitreise.
Anhand der stilistisch wichtigen Elemente, wie z.B. Krone und Drücker, Gehäuse und Ausarbeitung, Deckel, Schmuckelemente, Minuterie, Zeiger und Zifferblatt lernen Sie, die kleinen Zeitmesser genauer zu bestimmen.
Ausgabe 109: Die Spanische
Da geht noch mehr.
Die katalonische Erneuerungsbewegung Modernisme (in Deutschland in etwa dem Jugendstil entsprechend) sorgte für deutlich sichtbare Veränderungen im kulturellen und baulichen Sektor. Sie ging einher mit überbordendem Zierrat und Schnörkeln was insbesondere die Bauten von Antonio Gaudí (1852-1926) zeigen. All das spiegelt auch das Uhrenmodell die Spanische in gewisser Weise wider. Sie wirkt prunkvoll, aber fast schon überladen.
Ausgabe 108: Die Kriesenfeste
Schwere Zeiten für die Zeitmesser.
Zur Entstehungszeit dieses Uhrenmodells herrschte Untergangsstimmung. Der Grund dafür war die durch den New Yorker Börsencrash von 1929 ausgelöste Weltwirtschaftskrise. Diese verdarb auch vielen Menschen die Lust an Uhren - insbesondere an kostbaren. Speziell die Vereinigten Staaten von Amerika, einst der wichtigste Außenhandelskunde, nahmen nur noch wenige Uhren ab und setzte die Branche mächtig unter Druck.
Ausgabe 107: Die Frappierende
Die springt ins Auge.
Diese Sprungdeckeluhr um 1892 frappiert: Öffnet man den Deckel, gibt das schlichte goldfarbene Gehäuse mit dem für die Zeit typischen kannelierten Gehäuserand ein bemaltes Zifferblatt preis. Es überzeugt durch einen kunstvoll bemalten Rand und ein ebenso kunstvoll gestaltetes Zentrum. Die Eisenbahn-Minuterie wird durch die edel gestalten Zeiger im Louis-quinze-Optik in Szene gesetzt.
Ausgabe 106: Die Wendige
Die Zeichen der Zeit.
Ohne Frage verknüpfte sich das Uhrendesign immer schon mit allgemeinen Zeitgeist-Strömungen. Wer etwas auf sich hielt, und es sich finanziell leisten könnte, wechselte im Zuge des gestalterischen Wandels auch seine Uhr. Als die Wendige erscheint herrscht der Jugendstil vor. Doch überlässt sie ihm das Terrain lediglich auf ihrem Rückdeckel. Das Zifferblatt hingegen nimmt schon die Neue Sachlichkeit voraus, bis auf eine verspielte Ausnahme: die Zeiger!
Ausgabe 105: Die Lilienuhr
Das ist doch keine Kunst.
Es war der Architekt Hermann Muthesius, der dem wilhelminischen Bürgertum einen Rückgang des Kunstempfinden bescheinigte und 1907 den Deutschen Werkbund mitbegründete. Dem Bund ging es um die die "Veredlung der gewerblichen Arbeit in Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk". Er beeinflusste wie kaum eine andere Institution, die Ästhetik der Formgebung. Das zeigt die Lilienuhr mit ihrem Zifferblatt. Doch, dass der Jugendstil auch noch eine Rolle spielte, erkennt man am Gehäuse: Die Lilie zählt zu seinem typischen Ornament.
Ausgabe 104: Die Fliegeruhr
Die Zeit vergeht wie im Fluge.
Das Fliegen hoch in den Lüften gehört seit Anbeginn zu den Menschheitsträumen, was nicht zuletzt die griechische Mythologie mit Ikaros` frühem Flugversuch belegt. Doch brauchte es viel Zeit bis die Ära der Luftfahrt begann: Verbrennungsmotoren sorgten ab Anfang des 20. Jahrhunderts dafür, Flugzeuge lange in der Luft zu halten, sodass sich auch große Entfernungen überwinden ließen. Und Uhren waren immer mit dabei, wie einst diese Fliegeruhr, hergestellt um 1922. Immerhin spielten die Bord-Zeitmesser als Hilfsmittel beim Navigieren eine lebenswichtige Rolle.
Ausgabe 103: Die Amerikanische
Einfach amerikanisch.
Wir haben bereits an anderer Stelle darüber berichtet, welchen Schock die Schweizer Gäste auf der Weltausstellung in Philadelphia 1876 erlitten: Die Amerikaner waren damals schon in der Lage, Uhren fabrikmäßig herzustellen. Die Schweizer sahen sich plötzlich einer beängstigenden Konkurrenz gegenüber. Mit frischer Unbekümmertheit scheint sich unser Modell um keine Stilrichtung zu scheren. Zusammengesetzt, wie es dem Käufer gefiel und zu einem erschwinglichen Preis geliefert, ist sie beispielhaft für die frühe maschinelle Fertigung amerikanischer Uhren.
Ausgabe 102: Die Zwei-Zeiten-Uhr
Nimm Zwei!
Bevor Sandford Fleming (1827-1915), der in Schottland geborene Erfinder der Weltzeit, beherzt eingriff, herrschte ein ziemliches zeitliches Chaos. Jede Stadt besaß ihre eigene Ortszeit, die sich allein nach dem Sonnenstand orientierte. Inzwischen gibt es Uhren mit der sogenannten "heure universelle" (Weltzeit). Das heißt, sie zeigen die Uhrzeit der 24 Zeitzonen an. 1910 aber war man noch nicht so weit. Mit Ihrer Darstellung zweier Zeiten jedoch stellt unser Zwei-Zeiten-Modell, hergestellt für den türkischen Markt, einen interessanten Vorläufer der Zeitzonen-Taschenuhr dar.
Ausgabe 101: Die Robuste
Masse statt Klasse.
Früh tat sich die amerikanische Uhrenindustrie mit der Produktion von Massenware hervor. Allein die American Watch Company, Waltham, produzierte um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert jährlich ca. 250.000 Uhren. Tendenz natürlich steigend - mit sinkenden Preisen.
Die Robuste liefert einen schönen Beweis des rasanten Fortschritts preisgünstiger Massenfertigung - ohne allzu große technische Ansprüche.
Ausgabe 100: Die Glückverheissende
Weniger ist mehr.
Das Zifferblatt zeigt "Die Glückverheissende" als Vertreterin des Stils ihrer Zeit: klar, sachlich, schnörkellos. Der Blick auf die dekorierte Rückseite verrät jedoch, dass sie als Talisman für Kunden in Japan gedacht war. 1913 herrschte eigentlich noch der Jugendstil vor. Doch wie Sie bereits aus Ausgabe 99 erfahren haben, richteten Künstler und Architekten ihr Augenmerk auf Verzicht und häufig sogar auf Verdammung von Zierrat. Speziell in Deutschland bevorzugte der Produktdesigner eine homogene Optik.
Ausgabe 99: Die Ornamentale
Sag niemals nie.
Wenn es nach dem österreichischen Architekten Adolf Loos (1870-1933) gegangen wäre, hätte diese markante Taschenuhr Schweizer Provenienz niemals produziert werden dürfen. Zur Zeit des Erscheinens der Ornamentalen verfasste er seine aufsehenerregende Schrift "Ornament und Verbrechen". Vehement forderte er den Verzicht auf Ornamentik beim Bauen und für alle Gebrauchsgegenstände. Diese seien eine Verschwendung von Arbeitskraft und Material. Das war auch eine Attacke auf den in jenen Tagen herrschenden Jugendstil.
Ausgabe 98: Die Funktionale
Das Gesicht geht in Serie.
Um 1890, als die Funktionale entstand, trat eine wegweisende Neuerung der Uhrenproduktion in Erscheinung. Das Zifferblatt, das Gesicht der Uhr, ließ sich nun dank der Erfindung der Herstellers A. Beyeler, Genf, bedrucken und damit in Serie herstellen. Eine neue Maschine gestattete das Bedrucken des Untergrunds mithilfe von Stempeln. Beim neuartigen Transferverfahren wurden die aufs Zifferblatt zu übertragenden Zahlen, Grafiken oder Schriften in eine Stahlplatte graviert. Vor dem Druckprozess füllte der Arbeiter die entstandenen Vertiefungen per Spachtel mit Farbe.
Ausgabe 97: Die Panorama-Uhr
Uhrmacherkunst.
Ohne Frage geht es auch bei dieser, um 1890 für den japanischen Markt hergestellten Uhr in erster Linie um Funktionalität. Trotzdem erfreuten sich bildliche Darstellungen auf den Gehäusen von Taschenuhren stets großer Beliebtheit – in Europa, in Amerika und insbesondere in Japan. Künstler und Handwerker schufen in den verschiedenen Techniken Tiere, Blumen, Pflanzen oder, wie bei diesem Modell, eine fein gezeichnete Landschaftsminiatur.
Ausgabe 96: Die Reproduktive
Vom Meister abgeguckt.
Schlicht und dennoch den Blick auf sich lenkend, präsentiert sich das Zifferblatt der Reproduktiven. Ihr Name geht auf die Nachbildung, die Reproduktion, ihrer Zeiger und Ziffern zurück, die einst der geniale Uhrmacher Abraham-Louis Breguet (1747-1823) schuf und die bis heute als stilbildend gelten. Auch sonst besticht die Lépine aus der Schweiz um 1920 durch die farbliche Abgestimmtheit bei Lünette und Rand. Gold und brüniertes Eisen dienen hier als Vorlage.
Ausgabe 95: Die Akkurate
Wenn Sie's genau wissen wollen.
Ganggenauigkeit, Funktionalität und optimale Ablesbarkeit stehen im Vordergrund von Konstruktion und Gestaltung einer Uhr. Bereits im 18. Jahrhundert spielte das Thema Präzision eine große Rolle. Im Jahr 1714 verwendete der Engländer Jeremy Thacker erstmals den Terminus "Chronometer" für Uhren mit großer Ganggenauigkeit. Wie zum Beispiel die Akkurate, die sich besonders gut als Arbeitsuhr für Berufe, in denen es auf die Sekunde ankommt eignete – schön ist sie darüber hinaus auch noch.
Ausgabe 94: Die Automobil-Uhr
Ganz schön abgefahren!
Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, lassen sich Autos und Uhren in einigen Punkten vergleichen: Regelmäßig fordern sie Ingenieure und Handwerker zu technischen Höchstleistungen heraus. Beiden liegt eine Maschine zugrunde und selbst PS brauchen die zwei, wenngleich der Zeitmesser sich mit einer milliardstel Pferdestärke begnügt. Gegen 1930, als die Automobil-Uhr entstand, hatte das Auto bereits einen beachtlichen Grad an Verbreitung gefunden. Was die Uhrenindustrie nicht zögern ließ Gehäuse und Zifferblatt entsprechend zu gestalten.
Ausgabe 93: Die Noble
Schmückendes Zeitwerk.
Damen von Welt schätzten Uhren nicht minder als ihre männlichen Zeitgenossen. Allerdings, und das ist ein Faktum, fokussierte sich ihre Liebe bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eher auf das Schmückende. Im Gegensatz zu Männern, die ihre Uhr auch zum Schutz in Hosen- oder Sakkotaschen verstauten, trugen Damen ihren Uhren an Ketten oder Broschen. Die Gehäuse bestanden aus wertvollem Material, kostbare Steine verzierten sie. Die Noble, wohl aus England stammend, war einst Ausdruck gediegenem Wohlstands und sicherlich aus hochkarätigem Gold gefertigt.
Ausgabe 92: Die Reiteruhr
Ausgezeichnete Leistung.
Wer Pferde liebt und an Russland denkt, assoziiert damit möglicherweise spontan "Dshigitovka", die legendäre Reitkunst der Kosaken. Die spektakulären Akte auf dem Rücken schneller Pferde dienten der Selbstverteidigung und weniger der Show. Offiziere die diese Kunst besonders gut beherrschten, konnten mit einer Belobigung rechnen. Doch damit nicht genug. Die russische Armee belohnte gute Dressurreiter auch mit Taschenuhren. Um ein solches Exemplar handelt es sich bei dieser Reiteruhr. Die Widmung auf dem Sprungdeckel dieser Savonette bedeutet: "Auszeichnung für erfolgreiches Dressurreiten."
Ausgabe 91: Die Crossover-Uhr
Die Mischung macht's.
Bei dieser Halbsavonette aus der Schweiz, um 1890 kreuzt sich einiges: Die Schauöffnung mit der Verschlossenheit einer Sprungdeckeluhr und die prunkhafte Verzierung mit der klaren Ablesbarkeit der Zeit. Im Gegensatz zu früheren Ausführungen der Halbsavonette ist das vordere Fenster verglast. Sie entstand zur Zeit des Jugendstils, der sich am ehesten auf dem Rückdeckel ausdrückt, trägt aber durchaus noch Züge vom Historismus. Bei den Zeigern handelt es sich um doppelte Birnenzeiger "poires double effet", die speziell für Halbsavonette-Taschenuhren kreiert wurden. Hier ist der Name wirklich Programm.
Ausgabe 90: Die Nachtleuchtende
Da wird die Nacht zum Tage.
Schon von Jahrhunderten haben Uhrmacher sich mit der Frage beschäftigt, wie sich die Zeit im Dunkeln ablesen ließe. Die erste Leuchtmasse für Uhrenziffernblätter ist aber wohl erst H. B. Nemitz zu verdanken. Gemischt mit harzigen Bindemitteln leuchtete das 1875 von ihm entdeckte Schwefelcalcium auf Zifferblättern bläulich. Da die Stoffe Teile des Uhrwerks jedoch oxidieren ließen, kam es nie zur Massenproduktion. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts gelang es der Braunschweiger Chininfabrik Büchler & Co. Radium-Leuchtzifferblätter und -zeiger auf den Markt zu bringen.
Ausgabe 89: Die Volksuhr
Endlich was Eigenes.
Kaum zu glauben, aber wahr: Noch zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besaßen Taschenuhren absoluten Seltenheitswert. Menschen der unteren Gesellschaftsschichten schauten auf öffentliche Uhren oder auf die am Arbeitsplatz. Eine eigene Uhr war für sie schlichtweg zu teuer. Bis Georg Friedrich Roskopf 1870 die Volksuhr, Montre du Prolétaire, schuf. Anstelle der üblichen Platinen, Kloben und Brücken trat eine vergleichsweise simple Pfeiler-Bauweise. So ersparte man sich die Feinbearbeitung der Komponenten.
Ausgabe 88: Die Kontrastreiche
Lebendige Tradition.
Der Kontrast dieses Uhrenmodells liegt nicht nur im klaren Design des Zifferblatts und dem verspielten Dekor auf dem Rückdeckel, sondern auch in der Farbgebung. Es dominiert das Schwarz, ergänzt mit leuchtendem Gold. Der Rückseite verleiht die stimmungsvolle Verzierung mit Blumen und Pflanzen samt fliegendem Vogel eine friedliche, verspielte Attitüde. Sie erinnert an die Dekoration von Schwertern während der Edo-Zeit (1603-1868), eine der bedeutendsten Kunst- und Kulturepochen Japans.
Ausgabe 87: Die Luxuriöse
Gegensätze ziehen sich an.
Nach dem Ersten Weltkrieg gab es ein großes Bedürfnis nach Luxus. Wer sich etwas leisten konnte, wollte das auch zur Schau stellen. Und so schaute die elegante Dame immer gern auf ihre kostbare Armbanduhr, der erfolgreiche Mann zückte seine goldene Taschenuhr. Zwar war die Neue Sachlichkeit angesagt, aber kunstvolles Dekor kam auch gut an, wie bei unserem Taschenuhrenmodell aus Deutschland um 1920 zu sehen. Das damals goldene Lépine-Gehäuse übt sich im Spagat zwischen klarer Sachlichkeit und verspielter Ornamentik.
Ausgabe 86: Iris
Einfach gut.
Bei näherer Betrachtung dieser Lépine aus Deutschland um 1820 stechen zwei unterschiedliche Aspekte ins Auge. Zum einen hat das Gehäuse wohl ursprünglich aus brüniertem Eisen bestanden, also einem sehr einfachen Metall. Andererseits glänzt die Rückseite durch ein attraktives, goldfarben umrahmtes Medaillon, das nach Art der japanischen Porzellanmalerei Imari eine Iris abbildet. Dieser Name geht auf den Hafen zurück aus dem das weltberühmte wunderschön bemalte Porzellan verschickt wurde.
Ausgabe 85: Oignon
Was für eine Zwiebel
Die Franzosen pflegten wuchtige Uhren dieser Art schlicht Oignon zu nennen, was nichts anderes als Zwiebel bedeutete. Und so hießen sie tatsächlich auch in Deutschland. Der Vergliche mit der Zwiebel war aber keineswegs despektierlich gemeint, sondern bringt zum Ausdruck, dass die Gehäuse nicht zuletzt wegen der damals noch sehr dicken Uhrwerke mit Spindelhemmung in puncto Höhe ebenfalls durch beachtliche Opulenz glänzten.
Ausgabe 84: Die Navigationsuhr
Zeit für den richtigen Kurs
Lange Irrfahrten auf den Weltmeeren waren Ende des 17. Jahrhunderts an der Tagesordnung. Die Messung des Erdmagnetfeldes oder Beobachtung der Monddistanzen, brachten ein wenig Besserung. Was fehlte war eine Präzisionsuhr. Sollte die geografische Länge auf hoher See analog zur Breite auf die Bogenminute genau bestimmt werden, durfte die Schiffsuhr nämlich täglich nicht mehr als eine Sekunde abweichen. Unser Modell stellt die verkleinerte Version der von John Harrison 1759 vorgestellten, eineinhalb Kilo schweren "Taschenuhr" vor, die nach 81 Tagen auf See nur 5 Sekunden falsch ging.
Ausgabe 83: Ajour-Uhr
Der Durchbruch in der Produktion
Das Ajour-Modell stammt aus der Zeit um 1690, im Stil des Barock. Auch wenn das französische Wort für Tag "jour" im Namen anklingt, meint die Bezeichnung über den Tag hinaus etwas Konkretes. Es handelt sich um eine Gestaltungsart innerhalb der angewandten Kunst: Ajour nämlich steht für Durchbrucharbeiten, die das Gehäuse dieser besonderen Taschenuhr schmücken. In vielen Fällen hatte das Durchbrechen aber auch technische Gründe. Uhren mit Wecker oder Schlagwerk konnten den Schall so besser nach außen dringen lassen.
Ausgabe 82: Die Kreuzuhr
Es ist ein Kreuz mit der Zeit
Sogenannte Formuhren gibt es in unzähligen Varianten. Sie waren vor allem während der Renaissance bis über die Mitte des 17. Jahrhunderts beliebt. Vor allem Uhrmacher in Frankreich und in Genf widmeten sich der Herstellung der Formuhren. Diese Kreuzuhr, die man nicht in die Tasche steckte, sondern am Band oder an der Kette um den Hals trug, vermittelte dem Träger eine Aura von Wohlstand und Macht.
Ausgabe 81: Die Exzentrische
Eine runde Sache
Üblicherweise sind Zifferblätter konzentrisch gestaltete Flächen. Im frühen 19. Jahrhundert, als diese Taschenuhr entstand, gingen kreative Uhrmacher wie zum Beispiel Abraham-Louis Breguet aber noch einen guten Schritt weiter, indem sie die Indexierung samt Zeigern exzentrisch anordneten. Das steigerte den Aufmerksamkeitswert. Es ist davon auszugehen, dass das Zifferblatt beim Original dieses Modells aus beschriftetem Email bestand.
Ausgabe 80: Die Tripel-Uhr
Aller guten Dinge sind drei
Die Tripel-Uhr wurde für den Export hergestellt und nimmt in ihrem Dekor Elemente japanischer Kunst auf. Darüber hinaus waren in der Zeit um 1930, als diese Taschenuhr entstand, in Europa zwei Stile im Gebrauchsdesign en vogue. Zum einen die deutsche Schule, bekannt als Bauhaus-Stil, die der funktionalen Sachlichkeit huldigte und das Art déco, welches in Frankreich entstand und häufig flächige Darstellungen floraler Motive verwendete. Von all diesen Stilen findet sich etwas bei der Tripel-Uhr.
Ausgabe 79: Die Memento-Uhr
Tempus fugit!
Ein sehr ungewöhnliches Zifferblatt, das die Lépine, um 1930, vermutlich aus der Schweiz zierte. Auf dem Zifferblatt mit der schmalen Eisenbahn-Minuterie dominiert in goldfarbenen Lettern der lateinische, auf den römischen Dichter Vergil zurückgehende Sinnspruch „Tempus fugit“ und gemahnt bei jedem Blick auf die Memento (die Mahnung) -Uhr an die „fliehende Zeit“, mit der wir doch oft so verschwenderisch umgehen.
Ausgabe 78: Die Brillante
Bitte nicht zu dick auftragen
Taschenuhren unterlagen wie alle anderen Accessoires dem Diktat der Mode. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, als schmal geschnittene Kleidung modern war, musste die Uhr sehr flach sein, denn sie sollte nicht auftragen. Das galt besonders für elegante Uhren, die der Mann in die Westentasche des figurbetonten Fracks steckte. Bei der Brillianten im Art déco-Stil, vermutlich aus Frankreich, um 1920 handelt es sich um genau ein solches Exemplar der Kategorie Frack-Uhr.
Ausgabe 77: Die Flexible
Höchste Zeit für Veränderungen
1870 beschäftigte die eidgenössische Uhrenindustrie ca. 40.000 Menschen. Davon arbeiteten nur etwa 10 % in Fabriken. Spätestens 1876 anlässlich der Weltausstellung in Philadelphia zeigte sich, dass es auch in der Schweiz höchste Zeit war, neue Wege einzuschlagen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, musste man auf die maschinelle Fertigung setzen. In dem Jahr als die Flexible die Werkstatt verließ, war sie eine von 1.290.000 Taschenuhren.
Ausgabe 76: Die Chinesische
Zeit gibt es nicht geschenkt
Etwa 150 Jahre lang bot der chinesische Markt für europäische Uhrenhersteller ein beachtliches Potenzial. Vor allem die herrschende Schicht schätzte kostbare Uhren speziell aus England und der Schweiz, wie z.B. diese Lépine. Die Chinesische jedoch wandte sich in ihrer klaren, einfachen Ausführung nicht an die Oberschicht. Freilich wohlhabend musste der Käufer schon sein, denn auch eine relativ schlichte Silberuhr, deren Rückendeckel ein reizvolles Dekor aufweist, hatte ihren Preis.
Ausgabe 75: Perlmutt-Uhr
Was für eine Perle
Gold, Platin, Silber, Messing, Nickel, Bronze ... Die allermeisten Taschenuhren bestehen aus einem Metall, dessen Oberfläche künstlerisch dekoriert oder mit anderen Materialien überzogen ist. Diese Uhr, entstanden um 1948 aber weist besondere Verzierungen auf: eine Auflage aus der glänzenden, bei Lichteinfall irisierenden, Innenschicht von Muschelschalen – kurz Perlmutt genannt.
Ausgabe 74: Die Mount-Fuji-Uhr
Schön und funktional
Gegen 1903, als das Original dieser, für den japanischen Markt entwickelten Sprungdeckeluhr entstand, entwickelte sich die Taschenuhr mehr und mehr weg vom tickenden Wertgegenstand hin zum funktionalen Gebrauchsobjekt. Gleichwohl spielte der dekorative Charakter weiterhin eine wichtige Rolle. Hier ist es die simple symmetrische Form des Fudschijama, die die schlichte Eleganz der Uhr unterstreicht.
Ausgabe 73: Die Reservierte
Über Luxus spricht man nicht
Diese Savonnette stammt vermutlich um 1905 aus Japan. Das schwarze Gehäuse, frei von jedem Zierrat, entspricht der japanischen Mentalität zur Entstehungszeit der Uhr. Man protzte nicht mit dem, was man besaß. Vornehmer Reserviertheit angemessen, zeigt sich erst nach dem Öffnen des rückwärtigen Sprungdeckels eine kunstvoll ausgeführte Arbeit japanische Kunsthandwerker. Klappt man den hinteren Sprungdeckel auf, entdeckt man die handwerklich kunstvoll ausgeführte Darstellung eines Vogels. Auf einem Ast sitzend, vom Betrachter abgewandt, beobachtet er seine Umgebung. Der Bügel und die Krone setzen sich farblich vom schwarzen Gehäuse ab, so wie die goldfarbene Lünette.
Ausgabe 72: Die Dezente
Für eine ausgewogene Zeit
Das Modell der Savonnette mit Guilloche stammt vermutlich aus den Vereinigten Staaten von Amerika um 1897. Die Dezente wuchert nicht mit ihren Pfunden, vielmehr präsentiert sie sich samt Monogramm-Kartusche in ausgewogenem Dekor. Bei teuren Zeitmessern entstand die elegante Zierde durch Guillochierung. Die Vorderseite ziert eine markante Monogramm-Kartusche. Mit seinen goldenen Mustern setzt der Rand einen feinen Akzent und die großen arabischen Stunden und die roten Minutenziffern in Verbindung mit den markanten Zeigern lassen auf eine Verwendung auch als Dienst-Zeitmesser schließen.
Ausgabe 71: Die Muschelförmige Uhr
Ein Hauch des 17. Jahrhunderts
Im Zusammenhang mit der ersten Taschenuhr fällt immer wieder der Name Peter Henlein aus Nürnberg (um 1479-1542). Der fertigte keineswegs runde, sondern eiförmige Uhren („Nürnberger Ei“), die man an einer Kette um den Hals trug. Wer eine Halsuhr sein Eigen nannte, stets ein wohlhabender Mensch, legte Wert auf attraktive Optik. Deshalb verfügten Uhren über kunstvoll durchbrochene und gravierte Gehäuse. Diese Uhr ist in die Kategorie historisierender Kuriositäten einzuordnen. Denn nur in ihrer Form und des rückseitigen Dekors einer Jakobsmuschel erinnert sie an das 17. Jahrhundert. Ansonsten hat sie in ihrer eleganten zurückhaltenden Gestaltung wenig mit den in jenen Tagen gebräuchlichen Zeitmessern gemein.
Ausgabe 70: Die Schwarz-Goldene
Mit Anklang an das Art nouveau
Das japanisch anmutende goldfarbene Gehäusedekor dieser Uhr auf schwarzem Grund erinnert an den Jugendstil, den die Franzosen Art nouveau nennen. Zwischen beidem – der japanischen Kunst und dem Art nouveau – besteht eine Verbindung, die auf Siegfried Bing zurückgeht, einem genialen Kunstsammler und -händler sowie Namensgeber des Art nouveau. Diese Taschenuhr besticht durch ihre Goldverzierungen auf dem ursprünglich brünierten Eisengehäuse. So unaufdringlich ihre Gestaltung ist, erreicht das kontrastreiche Dekor doch einen hohen Grad an Aufmerksamkeit. Und der war in jener ausdrucksstarken Epoche des frühen 20. Jahrhunderts durchaus gewünscht.
Ausgabe 69: Armee-Uhr
Bitte seien Sie pünktlich!
Jahrtausendelang kam es nicht auf die Minute an. Man zählte die Stunden, die vom Stand der Sonne bestimmt wurden. Doch irgendwann wuchs der Bedarf nach der genauen Zeit. Mann und Frau wollten Pünktlichkeit auf die Sekunde. Auch den Militärs genügte es nicht mehr, den Angriff im Morgengrauen zu starten. Präzision war gefragt. Und hier konnten die Taschenuhren auch Dank ihrer Größe punkten. In den USA, wo dieses Modell gegen 1940 entstanden sein dürfte, gehörte die Hamilton Watch Company zu den Lieferanten der Streitkräfte.
Ausgabe 68: Die Nachdenkliche
Was ist Zeit?
In puncto Zeitdefinition brachte das Jahr 1905, als diese Uhr entstand, eine überraschende Wende. Albert Einstein postulierte, dass die Zeit immer nur das sein kann, was man von der Uhr abliest und nichts Absolutes. So lässt sich auch der auf der Cuvette gravierte Sinnspruch verstehen: Mehr und mehr Schnee liegt auf dem Zweit. Auch wenn er schwer ist, steht die alte Kiefer gerade und fest. Wie stark sie ist! Der Künstler zollt der Kiefer Bewunderung für die Stärke und Geduld des Baums – der Schnee wird auch wieder weichen. Alles hat nur eine gewisse Zeit.
Ausgabe 67: Die Widerständige
Schlechte Zeiten für die Taschenuhr
Anders als heute, da die Taschenuhr eine erstaunliche Renaissance erlebt, kam die Widerständige zu einer Zeit auf den Markt, als Männer und Frauen eigentlich nur noch auf das Handgelenk schauten, um die Uhrzeit zu erfahren. Das belegen auch die Produktionszahlen: 1934 fertigte Helmut Junghans, aus dessen Fabrik das Original der Widerständigen stammen könnte täglich 1.500 Taschenuhren und 2.000 Armbanduhren; mit rasch steigender Tendenz für die Armbanduhren.
Ausgabe 66: Die Tigeruhr
Keine falsche Bewegung!
Ob es sich bei der Tigeruhr um eine individuelle Gravur oder eine serielle Prägung handelt, lässt sich nicht entscheiden. Beides ist möglich mit Blick auf die Entstehungszeit um 1915. Individuelle Gravuren verlangten den Handwerkern ein hohes Maß an Kunstfertigkeit ab, denn es durften den Ausführenden bei ihrer schöpferischen Tätigkeit keine Fehler unterlaufen. Eine falsche Bewegung mit dem Gravierstichel konnte die Arbeit von Stunden innerhalb kürzester Zeit zunichte machen.
Ausgabe 65: Die Stilsichere
Zeit für Art déco
Uhren im Stil des Art déco befinden sich bereits in Ihrer Sammlung (20, 49, 55 u. 59). Und jede bot etwas Besonderes im Spiel mit der Form, dem Ornament und der Farbe. Hier also die quadratische Stilsichere, die eine mehr als würdige Ergänzung zu den bereits vorhandenen Exemplaren bildet. Die abgeschrägten Ecken dienen übrigens durchaus als Stilelement, andererseits aber schonen sie ganz praktisch die Hosen- und Westentaschen jeder Männer, die sich wohl nicht ohne Stolz mit dieser Taschenuhr zeigten.
Ausgabe 64: Die Symbol-Uhr
Ganz genau: Seiko
In der Periode, als Japan die Feudalherrschaft ablegte, kamen viele westliche Experten ins Land. Sie halfen bei der strukturellen wie industriellen Entwicklung und unterstützen unter anderem die langsam aufstrebende Uhrenindustrie. Und es könnte durchaus sein, dass das Original dieser illustrierten Taschenuhr von der K. Hattori & Co. Ltd. stammte. die 1924 ihren aktuellen Namen Seiko, zu Deutsch „ganz genau“ erhielt. Der Kronenhals bestand wie der Korpus und die beiden Gehäusedeckel wohl aus brüniertem Eisen.
Ausgabe 63: Die Talisman-Uhr
Jetzt schlägt Ihre Stunde
Mit Ebisu und Daikokuten können Mitteleuropäer im Allgemeinen wenig anfangen. Für Japaner jedoch verbirgt sich hinter diesen Begriffen die Namen von Glücksgöttern. Und diese japanische Lépine trägt die eingravierten Symbole der beiden Götter auf der Rückseite des Gehäuses. Eine goldfarbene Meerbrasse und kunstvoll geschwungene Angelrute für Ebisu und einen Holzhammer für Daikokuten, einen weiteren der sieben japanischen Glücksgötter. Er gilt als Gott der Gesundheit oder des Haushalts und dort speziell der Küche. Also, viel Glück.
Ausgabe 62: Die Jäger-Uhr
Waidmanns Zeit
Bei der Jagd geht es gelegentlich heiß her. Taschenuhren vertrugen das früher gar nicht gut. So brauchte es einen Schutz, bevor sich im Laufe des 20. Jahrhunderts Alternativen zum brüchigen Glas fanden. Den lieferte die Sprungdeckeluhr oder Savonnette, wie Experten sie nennen. In englischsprachigen Ländern sagt man "huntinger case", also Jagd-Gehäuse. Das der Jäger-Uhr ist darüber hinaus mit ausdrucksstarken Jagdmotiven geschmückt.
Ausgabe 61: Die Janusköpfige
Zwei Gesichter
Wie der römische Gott der Türen, Tore und des Anfangs, Janus, hat dieses um 1900 entstandene Modell zwei Gesichter. Von vorne besehen bietet sie den Anblick einer alltäglichen, eher schlichten, Lépine-Taschenuhr, doch ihre Rückseite offenbart eine Gestaltung im reinsten Stil des Art nouveau oder auf Deutsch gesagt, des Jugendstils. Längst wissen Sie, dass der Jugendstil viele Väter hatte und unter den verschiedensten Namen in Europa und den USA auftrat, z.B..: Art nouveau, Modern style, Modernism, Stile liberty... Mehr in Ausgabe 61.
Ausgabe 60: Die Paradies-Uhr
Der Himmel auf Uhren
Diese reichverzierte, 46,6 mm Savonnnette verdankt ihren Namen der Darstellung auf dem Gehäusedeckel: ein Putto (ein engelsgleiches, kleines Kind, meist ein Knabe), umgeben von Blatt- und Blumenranken als Symbol eines paradiesischen Zustands. Diese kunstvolle Arbeit hat man ursprünglich in der hochkomplizierten Niello-Technik ausgeführt, s. a. Ausgabe 10 "Die Dragon-King-Uhr". Seinen Höhepunkt erfuhr das Niello zur Renaissance im 15. Jahrhundert in Florenz.
Ausgabe 59: Change
Ein tolles Schlüsselerlebnis
Bevor der 1838 vorgestellte Kronenaufzug den Markt eroberte, war es üblich, zum Spannen der Zugfeder und zum Richten der Zeiger einen kleinen Schlüssel zu verwenden. An den zwei Sprungdeckeln unserer "Umgewandelten" (change) lässt sich erkennen, dass sie ursprünglich auch mit einem Schlüssel ausgerüstet war. Die guillochierte "Change" ist fantasievoll mit floralen Mustern und Schnörkeln dekoriert. Dazu ein klassisch klares, sehr elegant wirkendes Zifferblatt. Ein wirklich schönes Schlüsselerlebnis.
Ausgabe 58: Die Midnight-Taschenuhr
Die kleine Schwarze
Das Thema Schwarz steht im Mittelpunkt dieser Taschenuhr. Entstanden ist sie wohl im Jahr 1893, das mit Pauken und Trompeten in die Technikgeschichte eingegangen ist. Rudolf Diesel hat in jenem Jahr seinen ersten Versuchsmotor hergestellt. Dieses Modell hat zwar nichts ähnlich Revolutionäres an sich, aber ungewöhnlich ist sie schon. Ihr Design scheint die neue Sachlichkeit schon vorauszunehmen – die ja eigentlich erst in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts einsetzte.
Ausgabe 57: Olympia
Dabeihaben ist alles!
Bewegende Ereignisse spiegeln sich oft auch in Uhren wider. Und die Uhrenindustrie war nie darum verlegen, sie in geeigneter Form auf Gehäuse oder Zifferblättern darzustellen. Spezielle Uhren gab es zum Beispiel anlässlich von Schützenfesten. Auch die Olympischen Spiele eigneten sich wunderbar, um auf den Gehäuse funktionaler Taschenuhren verewigt zu werden. Dieses Modell entstand wohl mit Blick auf die Olympiade in Berlin.
Ausgabe 56: Die Polychrome
Was für ein Schmuckstück
Die diesmal vorgestellte, kunstvoll verzierte Savonnette gefällt vor allem wegen ihres farbenfrohen Sprungdeckelgehäuses, das ihr auch den Namen gab. Gegen 1870, als diese Taschenuhr entstand, schätzten Frauen die Uhr vor allem als Schmuckstück. Sie trugen sie sichtbar an einer Brosche oder einer Halskette. Die von Männern über alles geschätzte Funktionalität und Präzision war ihnen nicht das Wichtigste.
Ausgabe 55: Die Singuläre
Einfach einzigartig!
Diese Taschenuhr im Art-déco-Stil könnte aus den Vereinigten Staaten von Amerika stammen. Dort hatte die 1892 gegründete „Hamilton Watch“ in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre die Uhr „Piping Rock“ mit sehr markantem Glasrand entwickelt, ein in der Tat einzigartiges Design. Die entscheidenden Impulse des Art déco kamen freilich aus Paris, nachdem die legendäre Ausstellung 1925 diesen Stil präsentiert hatte.
Ausgabe 54: Die Graziöse
Uhren kommen in schöne Hände
Was Mann recht ist, war Frau irgendwie schon immer billig. Im weitesten Sinne gilt das auch für Uhren. Zwar zählten Taschenuhren über Jahrhunderte hinweg zu den männlichen Attributen, aber die Damen der besseren Gesellschaft konnten ihnen durchaus etwas abgewinnen. Und sie sammelten sogar mit Leidenschaft. Wie auch die Dichterin Marie Ebner-Eschenbach (1830-1916), deren Kollektion den Grundstock des Wiener Uhrenmuseums bildet. Diese Savonnette mit Elementen des Historismus, hätte durchaus in die Sammlung der Dichterin gepasst.
Ausgabe 53: Die Maritime
Leinen los!
Bei dieser Taschenuhr vom Typ Lépine aus den Sechzigerjahren des 19. Jahrhunderts handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Uhr, die für den fernöstlichen Markt gedacht war. Es lässt sich aber auch nicht ausschließen, dass es sich um eine Einzelanfertigung für einen Geschäftsmann gehandelt hat, der sein eigenes Schiff auf der Uhr mit damals vermutlich silbernem Gehäuse verewigen ließ. Das maritime Thema setzt sich überaus gekonnt am Rand des Gehäuses fort. Das feine Muster erweckt den Eindruck, als ob sich ein Schiffstau um die Uhr windet.
Ausgabe 52: Die Türkische
Die osmanische Stunde
Die Tradition, Uhren für den türkischen Markt zu fertigen, reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Oftmals waren die kostbaren Exemplare als staatsmännische Gastgeschenke gedacht. Davon zeugt eine umfassende Sammlung im Topkapi Sarayi Museum in Istanbul. Die Uhren wurden vor allem aus England importiert. Um in der Türkei, dem damaligen Osmanischen Reich erfolgreich zu sein, musste die Optik selbstverständlich der türkischen Art entsprechen, wie bei diesem Modell aus den Sechzigerjahren des 19. Jahrhunderts.
Ausgabe 51: Die Samurai-Uhr
Eine schöne Uhr ist die beste Medizin
Unverkennbar handelt es sich bei dieser Savonnette um eine japanische Uhr um 1900. Die goldfarbene Ornamentik auf dem braunen Untergrund des massiven Eisengehäuses erinnert an exquisite Pflanzen. Doch ein geschulter Blick erkennt, dass dieses Muster jenem nachempfunden ist, das die Medizindose eines Samurai-Kriegers verzierte. Es ist denkbar, dass die Ornamente aus Gold bestanden und auf das Eisen des Gehäuses gelötet wurden und der Taschenuhr so eine hohe Attraktivität bescherten.
Ausgabe 50: Die Serifen-Uhr
Eine eigenwillige Zeit
Das kunstvoll gestaltete Zifferblatt ist eine Rarität. Mit seinen roten Serifen und den goldfarbenen Quadraten zwischen den Stundenziffern repräsentiert es einen interessanten Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts prägten römische Ziffern das Gesicht der Taschenuhren. Im frühen 20. Jahrhundert aber gewannen arabische Zahlen zunehmend an Bedeutung. Das Zifferblatt dieser Taschenuhr, deren Original um 1900 entstanden sein dürfte, repräsentiert einen seltenen Mix aus römischen Ziffern und dem damals gern verwendeten Rot. Die Serifen (kleine Querstriche am Fuß und Kopf eines Buchstaben) lassen die wuchtigen Ziffern wie Fraktur-Zahlen wirken. (Fraktur: eine „gebrochene“ Schrift gotischen Stils)
Ausgabe 49: Die Dekorative
Typ mit Ecken und Kanten
Die meisten Taschenuhren sind rund. Das scheint wohl vorrangig dem Kreislauf der Zeit geschuldet. Doch in 1920-er Jahre brachten kam frischer Wind in die Szene des Uhrendesigns. Das Äußere verlangte geradezu nach Experimenten. In jenen Tagen beherrschte eine kantige Formensprache auch die Architektur und das Industriedesign. Zu deren nicht unangefochtenen Vertretern zählten unter anderen Adolf Loos, Walter Gropius oder Le Corbusier. Sie hielten es mit der Tatsache, dass wahre Schönheit nicht auf zierendes Beiwerk angewiesen ist, sondern aus sich selbst heraus leben kann. Gefragt waren Typen mit Ecken und Kanten.
Ausgabe 48: Die Doubleface-Uhr
Die Zeit hat zwei Gesichter
Dieses Modell ist an Eigenwilligkeit kaum zu übertreffen. Sie stammt aus einer Zeit als der Historismus dominierte (Achtzigerjahre des 19. Jahrhunderts) und weist keines seiner Stilmerkmale auf. Ihre Vorderseite bietet in vollkommener Proportion ohne jeden Zierrat ein Zifferblatt von bestechender Klarheit. Die Rückseite aber, ihr zweites Gesicht zeigt eine farbenfrohe Weltsicht in fröhlichster Gestaltung nach Art der Cloisonné-Technik. Den Namen verdankt die Uhr ihren zwei Gesichtern, die auch der Stoff aufweist, nachdem sie benannt ist.
Ausgabe 47: Die Bouquet-Uhr
Eine prägende Epoche
Sie ist eine typische Vertreterin ihrer Zeit. Und zwar nicht nur was den Jugendstil oder "stile florale" (Blumenstil), wie die Italiener ihn nennen, betrifft, sonder auch wegen der neuzeitlichen Fertigungstechniken jener Epoche (Frankreich um 1910). Zur Entstehungszeit der Uhr begann das handwerklich ausgetüftelte Gravieren und Ziselieren in den Hintergrund zu treten. Industrielle Fertigungstechniken traten ihren Siegeszug an. Daher entstanden auch das Bouquet (franz. für Blumenstrauß) und das unterlegte Eidechsenleder-Muster bereits durch Prägen oder Gießen. Hauptsache, die Optik stimmte.
Ausgabe 46: Die Kokette
Spiel der Stile
"Knappe lineare Ornamente", wie es die in Leipzig erscheinende "Illustrierte Zeitung" (1843 – 1944) formulierte, sind eines der Kennzeichen des Jugendstils, der zur Entstehungszeit der “Koketten” (Frankreich, um 1900) den Ton angab. Und tatsächlich hat sie ein solches Merkmal auf der Gehäuserückseite, womit sie durchaus ein Hauch von Jungendstil an dieser, bunt die Stile mischenden, Uhr findet. Schließlich will dieses Modell gefallen und zieht dafür alle Register, ohne sich stilistischen Grenzen zu setzen.
Ausgabe 45: Traveller
Die springt ins Auge
Präzision ist eines der wichtigsten Wesensmerkmale der Uhrmacherei. Und ebenso beherrscht Genauigkeit die Sprache dieses Handwerks. Jedes Teil hat seinen unverwechselbaren Namen – oft auf Französisch, der Uhrmachersprache. So gibt es bei den Sprungdeckeluhren die Savonnette und die Halbsavonnette. Mit der, einem aus England stammenden Modell, um 1880 haben wir es hier zu tun. Eine Uhr, die sich zum Reisen geradezu anbot: Die Zeit lässt sich ablesen, ohne dass der Sprungdeckel geöffnet werden muss.
Ausgabe 44: Die Jagdzeit-Uhr
Die Kunst des Handwerks
Um 1880, als diese Savonnette in England entstand, war in Deutschland der Historismus in Mode, in England aber war man schon darüber hinaus. Dort gab es bereits die Reformbewegung arts and crafts (Kunsthandwerk) den Ton an; weg vom Schnörkel des Historismus hin zum soliden Handwerk. Dieses Modell wandte sich an betuchte Zeitgenossen, die standesgemäß zur Jagd gingen. Was neben dem Design auch durch den rückwärtigen Deckel und die darunterliegende Cuvette (Staubdeckel) zum Audsruck gebracht wird – diese soll das kostbare Uhrwerk vor Staub und anderen Unbilden des Alltags schützen – insbesondere natürlich während der Jagd.
Ausgabe 43: Die Schlanke
Alles zu seiner Zeit
Uhren spiegeln immer auch die technisch-handwerklichen Möglichkeiten ihrer Entstehungszeit wieder. Gut zu sehen an diesem Modell, mit Anklängen an den Jungendstil, aus der Zeit um 1910. Obwohl das Gehäuse mit Blick auf das, was die einschlägige Industrie in der Zeit um 1908 zu entwickeln und fertigen pflegte, fast noch zu dick geraten ist. 0,96 cm Gehäusehöhe wurden zu dieser Zeit schon von hochrangigen Manufakturen unterboten. Die normalerweise verfügbaren Toleranzen beim Fertigungsprozess der verschiedenen Komponenten schrumpfen bei der Herstellung von extrem flachen Uhren auf ein Minimum und stellen somit hohe Herausforderungen an die Mechaniker.
Ausgabe 42: Die Gentleman-Uhr
Einfach vollkommen!
Man sollte nicht glauben, dass Vollkommenheit entstehe, wenn man nichts mehr hinzufügen könne, vielmehr dann, wenn man nichts mehr wegnehmen könne! Natürlich hat der bedeutende französische Schriftsteller Antoine de Saint Exupéry (1900 – 1944) diese Worte nicht auf die Gentleman-Uhr bezogen, doch sie passen sehr gut. Als hätten die avantgardistischen Gestalter die Neue Sachlichkeit schon beginnen lassen, derart frei von jedem überflüssigen Detail präsentiert sich diese Savonette aus den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts.
Ausgabe 41: Die Eiserne
Es ist nicht alles Gold, was glänzt
Wer sagt denn, dass elegante Taschenuhren immer aus edler Metallen wie Silber, Gold oder gar Platin sein müssen? Diese offene Uhr aus der Zeit um 1900 besaß ein eisernes Gehäuse. Sie entstand als sich das 19. zum 20. Jahrhunderte wendete und die Industrialisierung die Menschheit schon voll im Griff hatte. Das Basis-Eisenghäuse sowie Werk, Zifferblatt und Zeiger kamen aus der Schweiz. Für das zeitaufwändige Dekor zeichneten hingegen japanische Künstler verantwortlich. Dieser Markt schätzte reich Verziertes. Es entstand ein Zeitmesser, mit dem man sich immer noch überall sehen lassen kann.
Ausgabe 40: Die Abenteuer-Uhr
Ein Bild von einer Uhr
Bei dieser Taschenuhr, vermutlich aus England, im Stil des Historismus, um 1900 dominiert das Zifferblatt unangefochten das Gesamtbild des Modells. In seinem Zentrum ein prachtvolles Segelschiff, dem die Uhr ihren Namen verdankt. Eine Reminiszenz an die großen Abenteuer, die englische Seefahrer zu bestehen hatten. Diese Uhr bedient sich der Rückgriffe auf alte, vergangene Stile. Lange beurteilte man den Historismus eher negativ, setzte ihn dem Epigonentum gleich. Inzwischen aber würdigt man das geschichtliche Bewusstsein dieser Stilrichtung.
Ausgabe 39: Die Ägyptische
1,15 cm flaches Statussymbol
Schmuck und Uhren waren und sind noch heute Ausdruck des gesellschaftlichen Status. Doch immer spielten auch modische Aspekte eine nicht zu unterschätzende Rolle. Vielfach gründeten sich die gestalterischen Element aus Überliefertem, z.B. wie bei dieser flachen Taschenuhr aus Ägypten. Das Spiel von Gold und blauer Farbe, ist es, was bei der “Ägyptischen” an das Land am Nil denken lässt. Erst im zweiten Viertel des 20. Jahrhunderts konnte man Ägyptischblau, in antiker Zeit hergestellt, im Labor rekonstruieren.
Ausgabe 38: Die Dekagon-Uhr
Ein Typ mit Ecken und Kanten
Sachlichkeit dominiert dieses Uhrenmodell im Stil der 1930er-Jahre, mit seinem blendend weißen Emailzifferblatt. Dennoch birgt sie ein reizvolles Gestaltungselement, das Dekagon oder Zehneck – wie das griechische Wort auf Deutsch heißt. Trüge sie eine Signatur, könnte Sie durchaus “Cartier” lauten. Denn diese Uhr verkörpert die Gestaltungsphilosophie und den Charakter jenes Mannes, der das Unternehmen und die Marke in aller Welt berühmt gemacht hat: Louis Cartier.
Ausgabe 37: Die Originelle
Zeit ist purer Luxus

Bis in die Siebzigerjahre des 19. Jahrhunderts besaßen Normalsterbliche nur selten Taschenuhren. Taschenuhren waren Luxus, bis Georges Frédéric Roskopf ein neues technisches Konzept entwickelte, dass es ermöglichte die kleinen Meisterwerke preiswerter herzustellen. Die Verbreitung der Stiftanker-Volksuhr oder auch “Armbanduhr” genannt, ging zwar nur allmählich über die Bühne, aber immerhin. Bei unserer Originellen scheint es als habe man das Zifferblatt einer großen Stand- oder Turmuhr ins Taschenuhrformat verkleinert.
Ausgabe 36: Die Etui- und Andenkenuhr
Klappen gehört zum Handwerk
Diese Etuiuhr im Stil der 1910er-Jahre ist vielseitig verwendbar. Durch Druck auf den kleinen Drücker bei der "12" klappt das Gehäuse auseinander und verwandelt sich in eine Tischuhr. Dieses Modell wurde gern zum Andenken, zu Jubiläen oder zum Abitur verschenkt, da der Schenker sicher sein konnte, dass der Beschenkte mehrmals täglich auf die Uhr blicken und sich somit oft an ihn erinnern wird. Ein schöner Brauch der Langlebigkeit und Erinnerung symbolisiert. Das Gehäuse ist aus matt vernickeltem Kupfer und weist einen Durchmesser von 45.5 mm auf.
Ausgabe 35: Die Exzellenzuhr
Der Schlüssel zum Erfolg

Souverän wird diese Taschenuhr ihrem Namen gerecht – sie ragt aus der Masse heraus. Ihre Gestaltung, sich dem Klassizismus annähernd, hat nichts vom sogenannten Historismus (Gründerzeit), der in den Tagen ihrere ursprünglichen Entstehung den Ton angab. Es ist die Zeit, in der sich die bahnbrechende Erfindung des Aufzugs- und Zeigerstellsystems mittels Krone durchsetzt. Nun hatte das umständliche Prozedere ein Ende: Man brauchte keinen Schlüssel mehr zum Spannen der Zugfeder. Exzellent!
Ausgabe 34: Die Grazile
Ein echter Frauentyp
Dieses Uhrenmodell mit seinem historischen Stil an das Rokoko und Barock erinnernt, wandte sich in erster Linie an die Frau. Dafür sprechen die zierliche Form und das reich dekorierte Zifferblatt, vom Gehäuse – insbesondere der guillochierten Rückseite – ganz zu schweigen. Die Handwerkskunst des Guillochierens haben wir in der Ausgabe 17 "Die Glamouröse" bereits ausführlich behandelt. Das Zifferblatt besticht durch eine "chemin de fer"-Minuterie. Reichverzierte goldfarbene Zeiger im Stil Louis-quinze (Rokoko) runden das Bild ab.
Ausgabe 33: Die Golfuhr
Damit haben Sie überall einen Schlag

Manchen Taschenuhren sieht man ihren primären Verwendungszweck auf den ersten Blick an. Diese Savonette im Jungendstil um 1910 liefert dafür ein anschauliches Beispiel. Die geometrische Struktur des Sprungdeckelgehäuses ist einem Golfball nachempfunden. Auch das Innere der Uhr ist dem sportlichen Einsatzgebiet entsprechend designed. Die damals aus blau angelassenem Stahl gefertigten sogenannten modernen Zeiger (aiguilles modernes) wurden sehr kräftig ausgeführt. Mit diesem Modell hatte der Träger sicherlich auch im Clubhaus immer einen guten Schlag.
Ausgabe 32: Die Amourose
Die Stunde der Goldenen Zwanziger
Die Zeit um 1920 brachte Europa einen starken kulturellen Wandel. Der Erste Weltkrieg war zu Ende und die Menschen bewegten sich sinnenlustig auf die so genannten Roaring Twenties oder Goldenen Zwanziger zu. Auch das Thema Liebe, das Amouröse, das die gemeinsam fliegenden Vögel, auf der Rückseite der Uhr zum Ausdruck bringen, stand hoch im Kurs, ganz nach dem viel später entstandenen Motto: make love not war! Literatur und Kunst zelebrierten bereits seit etwa 1905 den Expressionismus, also die Darstellung von erlebten Dingen, gesellschaftlichen Aspekten oder seelisch Bewegendem.
Ausgabe 31: Die Pastorale
Ländliche Idylle in bewegten Zeiten

Diese Sprungdeckel-Taschenuhr, oder Savonette, verdankt ihren Namen der idyllischen Gestaltung ihres Gehäuses. Um ihr ein attraktives Aussehen zu verleihen, bedienten sich die Gehäusemacher über die Jahrhunderte hinweg ganz unterschiedlicher Techniken. Im 13. und 14. Jahrhundert stand die Kunst des Emaillierens hoch im Kurs. Und als dieses Uhr entstand , im frühen 20. Jahrhundert, war auch Email mit im Spiel, um die im Jungendstil gehaltenen Naturszenen auf Vorder- und Rückseite umzusetzen. Der Begriff „Pastorale“ leitet sich vom lateinischen „pastoralis“ ab, was zu den Hirten gehörig bedeutet.
Ausgabe 30: Die Checker-Uhr
Die Taschenuhr ist arm dran
In den 1930er-Jahren mussten Designer sich viel Mühe geben, das Interesse an der Tascheuhr wach zu halten – sie befand sich nämlich bereits auf dem Weg, aus der Mode zu geraten. Die Frau las die kostbare Zeit schon seit Jahrzehnten von Handgelenk ab und der Mann folgte ihr langsam. Gleich wohl gab die Uhrenindustrie den an Kette oder Châtelaine besfestigten Zeitmesser noch nicht verloren. Mit unsere Checker-Uhr (Schachbrettmuster auf der Rückseite und Streifen auf dem Zifferblatt) wollte sie beweisen, dass eine Taschenuhr auch noch mit der Mode gehen kann.
Ausgabe 29: Britische Deckuhr
Knapp daneben ist auch vorbei

Im 17./18. Jahrhundert grenzte es noch immer an ein Wunder, wenn wagemutige Seefahrer ihr Ziel heil erreichten. Daher war es von ungeheurer Bedeutung, den Längengrad auf See bestimmen zu können, und zwar mit einer präzise arbeitenden Uhr – was den Engländern auch bald gelang. Eine Gangabweichung von vier Minuten entsprach einem ganzen Bogengrad und damit am Äquator etwa 111 Kilometer. Das Vorbild unserer ausgesprochen funktional gestalteten Deckuhr stammt aus der Zeit um 1910 und diente dazu, die exakte Uhrzeit von den in Seewarten hängenden Präzisionspendeluhren auf die Marine-Chronometer zu übertragen.
Ausgabe 28: Die Velo-Uhr
Ein einprägsames Design
Diese Taschenuhr ist den Fahrradfahren gewidmet. (Im Uhrenland Schweiz heißen Fahrräder schlicht und einfach Velo). Fahrräder und Taschenuhren, das waren für echte Männer in der letzten Dekade des 20. Jahrhunderts ausgesprochen wichtige Statussymbole. Kein Wunder also, dass beispielsweise die Mitglieder von Veloclubs ihre Leidenschaft auf ihrer Taschenuhr zum Ausdruck bringen wollten. Neue Präge- und Stanztechniken ermöglichten es diese Wünsche umzusetzen. Allerdings führten diese Techniken auch dazu, dass mache Uhren optisch ungemein überladen waren. Aber die Uhrmacher stellten her, was ihre Kunden verlangten.
Ausgabe 27: Die Maureske
Die orientalische Savonette

Die maurisch geprägte Ornamentik (Maureske) des opulenten Savonette-Gehäuses verleiht der Uhr ein exotisches Äußeres. Bei den sogenannten Mauresken handelt es sich um Motive, die einst in Assyrien entwickelt wurden. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, während der Stilepoche der Renaissance übernahm das Abendland diese flächendeckenden Muster aus stark stilisierten, verschlungenen und sich überschneidenen Blattranken. Das hier beschriebene Modell aus den 1890er-Jahren könnte durchaus auf für den Markt eines orientalischen Landes angefertigt worden sein, wo sich prachtvoll dekorierte Zeitmesser immer schon großer Beliebtheit erfreuten.
Ausgabe 26: Die Schwarz-Rote
Zeit ist, was man von der Uhr abliest
Dieser Meinung war Albert Einstein Anfang des 20. Jahrhunderts, zur Entstehungszeit der im Jungestil (s. Ziffern u. Ornamentik der Rückseite) gehaltenen Schwarz-Roten. Dieser Meinung war offensichtlich auch der Schöpfer dieses, ursprünglich aus Email gefertigten Zifferblattes. Es bietet den Besitzern eine Orientierung rund um den vollen Tag, weil es die Stunden vor und nach Mittag in unterschiedlichen Farben und Ziffern darstellt. Ferner besitzt es eine rotze “12”. Ein farblicher Akzent der zu dieser Zeit sehr beliebt war.
Ausgabe 25: Die Löwenuhr
Der Mix machts

Seit je steht der Löwe als Sinnbild für Mut, Kraft und Erhabenheit. Diese Taschenuhr verdankt ihm seinen Namen, prangt er doch in symbolischer Darstellung auf ihrer Rückseite. Das Modell lässt sich dem Historismus zuordnen, einer Stilrichtung, die Anleihen bei unterschiedlichen vergangen Stilepochen machte. Das führte dazu, dass der Historismus bis in die Mitte der Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts überwiegend negativ beurteilt wurde. Heute jedoch gewinnt man dem Versuch verschieden Stilelemente zu vereinen und somit Geschichte zu bewahren durchaus positive Aspekte ab.
Ausgabe 24: Die Nocturne
Black is beautiful
Bei diesem Modell handelt es sich um eine echte Rarität, denn schwarze Zifferblätter sind äußerst selten bei Taschenuhren. Im Jahre1875 aus Sterlingsilber 925/1000 (925 Silber- und 75 Kupferteile) gefertigt, das bekanntlich, wenn es anläuft ebenfalls schwarz wird, trumpft das Schmuckstück mit einer leuchtenden Minuterie auf. Und da die Uhr höchstwahrscheinlich englischen Ursprungs ist, scheint ihr Design an die Nocturne-Bilder des Malers James Abbott Mc Neill Whistler anzuknüpfen, die ebenfalls in den Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts in London entstanden.
Ausgabe 23: Die Wehrhafte
Grüße aus der Bronzezeit

Zur Herstellung von Taschenuhr-Gehäusen benutzte man Stahl, Silber, Gold oder das rare und damit teure Platin. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass auch Bronze, eines der ältesten und robustesten Metalle zum Schutz des kostbaren Uhrwerks und des bruchgefährdeten Kristallglases verwendet wurde Bei diesem Modell aus der Zeit des späten 19. Jahrhunderts handelt es sich um eine Sprungdeckel-Savonnette mit vielgestaltiger Ornamentik, deren Legierung an die Bronzezeit erinnert.
Ausgabe 22: Die Prächtige
Schwere Zeiten
...für die Taschenuhr. Das konnte auch ein so üppig dekoriertes Modell, wie die im amerikanischen Stil der 30er-Jahre gehaltene „Prächtige“ nicht verhindern. 1934, bereits ein Jahr nach der Präsentation dieser Taschenuhr hatte die Armbanduhr zwei Drittel des millionenschweren Uhrenmarktes erobert. Das Tragen einer Taschenuhr, eine jahrhundertealte Tradition, hatte kaum noch Bedeutung. Und das Design dieses Modells passte eigentlich auch nicht mehr in die Epoche. Es war eher die klare, schnörkellose Formensprache des Bauhaus, die die Zeit bestimmte.
Ausgabe 21: Die Hedera-Uhr
Die Exzentrische

Bei dieser Uhr wird auf den ersten Blick deutlich, dass die Zeitangabe nicht im Vordergrund steht. Es ist vielmehr die eigenwillige Ornamentik mit der diese Taschenuhr versucht die Blicke auf sich zu ziehen. Die dekorative Darstellung des Efeus (botanische Bezeichnung: Hedera) drängt das mit einer Eisenbahn-Minuterie versehene Zifferblatt nahezu in die Bedeutungslosigkeit. Dabei spiegelt der gleitende Linienfluss und die florale Ornamentik die Anlehnung an den exzentrischen Jugendstil wieder.
Ausgabe 20: Die Monogrammuhr
Der Art-déco-Stil
Das apart gestaltete Zifferblatt dieser Uhr aus der Zeit um 1920 spricht von eigenwilligem Geschmack, der Elemente des Art-déco (eigentlich art décoratif. also dekorative Kunst) aufweist. Ein Stil, der ab 1920 bis etwa 1940 besonders im Kunstgewerbe in Mode war. Die Rückseite steht dem Zifferblatt in nichts nach. Auf ihr prangt eine große Eigentümergravur. Solch ein Monogramm fand man häufig bei besonders eleganten Uhren, die ihren Besitzer mit Stolz erfüllten.
Ausgabe 19: Die Galerie-Uhr
Eine Uhr, wie gemalt

Diese Savonette aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ist im Stil japanischer Tuschmalerei geprägt. Auf dem vorderen Deckel befindet sich eine Landschaft mit Brücke und den rückwärtigen schmückt ein Ausblick in den Bergen. Die der Prägung zugrunde liegenden Landschaftsmotive gehören, neben den Darstellungen von Blumen und Vögeln zu den wichtigsten Arten der japanischen Bildkunst. Das Zifferblatt hingegen besticht durch eine klare, schnörkellose Zeichnung mit römischen Stunden.
Ausgabe 18: Die Florale
Für Auge und Seele
Ein Hauch von Exotik umweht diese Uhr aus brüniertem Stahl. Das liegt daran, dass sie ursprünglich für den japanischen Markt entworfen wurde. Das verdeutliche das Zifferblatt mit den für den Markt typischen Stilelementen sowie die dekorative Rückseite. Japaner lieben Blumen und Pflanzen. Anders als bei uns haben in Japan jedoch vergleichsweise wenig Menschen Blumen in unmittelbarer Nähe. Diesen Widerspruch löst die Rückseite der Uhr auf. Ein Blick darauf, und Auge und Seele erfreuen sich an der floralen Zierde. Das mindert Leiden und Sorgen – glauben die Japaner.
Ausgabe 17: Die Glamouröse
Guillochieren – ein königliches Handwerk

Der geheimnisvolle Begriff „Guillochieren“ umschreibt eine Handwerkskunst die aus dem Kunstdrechseln hervorging und im 16. bis 18. Jahrhundert von fast der gesamten Hocharistokratie erlernt wurde. Peter Carl Fabergè, Hofjuwelier des russischen Zaren, war einer der Perfektionisten dieses Handwerkes. Die Rückseite dieser Taschenuhr aus der Zeit um 1910 ist im Stil einer Guilloche dekoriert, farbig lackiert und mit einer Gehäusehöhe von nur 1,1 cm ein wirklicher Hingucker.
Ausgabe 16: Die Diskrete
Für geheimnisvolle Stunden
Sicher, diese Savonnette im Schweizer Stil zeigt auf den ersten Blick auch "nur" die Zeit an und ist somit eine ganz normale Erscheinung. Doch hinter dem, mit einem vom Blumen umrankten Pferdekopf dekorierten Rückdeckel der Uhr bietet sich die Möglichkeit ein kleines Geheimnis unterzubringen. Damit noch nicht genug. Auch der vordere Sprungdeckel hat es in sich. Sein dickes, speziell geschliffenes Glas kann im geöffneten Zustand als Lupe genutzt werden.
Ausgabe 15: Die Dandy-Uhr
In bester Gesellschaft

Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Einflüsse aus der Versachlichung der Männerkleidung auf das Uhrendesign nicht zu übersehen. Frack und Zylinder, typische Kleidungsstücke des Biedermeiers, wurden nur noch zu festlichen Anlässen angezogen. Statt dessen trug Mann dunkele Jackets mit Streifen- oder Karomustern und gelegentlich eine bunte Weste. Diese Taschenuhr unterstreicht die Reduktion auf das Wesentliche. Einzig die kleinen Sterne im Zifferblatt fallen ein wenig aus dem Rahmen, grad so wie der Dandy es mag.
Ausgabe 14: Die Kartuschenuhr
Der Tag hat 24 Stunden
Das augenfällige Zifferblatt der Kartuschenuhr aus dem frühen 20. Jahrhundert unterteilt den Tag in die Stunden 1 bis 12 und 13 bis 24. Erstere werden etwas verspielt in zwölf prominenten Kartuschen dargestellt, die ursprünglich in transluzidem Email ausgeführt waren. Dahinter treten die rot aufgedruckten Stunden von 13 bis 24 ein wenig in den Hintergrund.
Ausgabe 13: Die Harmonie-Uhr
Die Quadratur des Kreises

Taschenuhren sind rund. Die Form passt einfach idealtypisch zur Zeit – einem unendlichen Kreislauf des Kommens und Gehens, repräsentiert durch einen, zwei oder drei beharrlich rotierende Zeiger. Diesen Sachverhalt vermochten nicht einmal die modischen Entwicklungen der Zeitgeschichte zu beeinflussen. Doch seit dem 17. Jahrhundert traten die ersten berühmten Ausnahmen von der Regel auf. Wie an diesem Modell mit Stilanklängen des Empire und Rokoko, um 1900 zu sehen ist.
Ausgabe 12: Die Verführerische
Französisches Empire und Barock
Das Modell mit Stilelementen des französischen Empire und Barock, um 1800 begeistert durch die nach Art der Email-Malerei entstandene Miniatur auf der Rückseite. Hier findet sich ein Ausschnitt des berühmten Deckenfreskos von Michelangelo, aus der Sixtinischen Kapelle. Die "Vertreibung aus dem Paradies" geht auf eine biblische Geschichte zurück.
Ausgabe 11: Transparenzuhr
Napoleon stand Pate

Diese Sprungdeckeluhr im Stil des späten 19. Jahrhunderts ist maßgeblich von Napoleon beeinflusst worden. Der Deckel einer Uhr dient ursprünglich dem Schutz der empfindlichen Kristallgläser. Er hat allerdings den Nachteil, dass die Uhrzeit nur durch das Aufklappen der Deckel sichtbar ist. Genau das hat Napoleon, in einer seiner Schlachten derart gestört, dass er ein kleines Sichtloch in den vorderen Deckel schnitt. Damit war die Halbsavonette oder das Halfhunter-Gehäuse geboren.
Ausgabe 10: Dragon-King-Uhr
Reminiszenz an die Niello-Technik
Bei der Herstellung an Uhrengehäusen existieren Gestaltungs- und Ziertechniken, die heute bedauerlicherweise in Vergessenheit geraten sind. Dazu gehört auch die italienische Niello-Technik. Die Dragon-King-Uhr, deren Name sich von dem Drachenmotiv auf der Rückseite ableitet, erinnert an diese komplizierte und aufwendige Technik, die sich schon im Mittelalter großer Beliebtheit erfreute.
Ausgabe 9: Die "Ryusui"-Uhr
Markanter Stil- und Kultur-Mix

Diese Savonette ist von verschiedenen Stil- und Kulturrichtungen des auslaufenden 19. Jahrhunderts geprägt. Zu einem Teil sind europäische Stilelemente erkennbar, zum anderen werden japanische Einflüsse sicht- und hörbar - wie der Name "Ryusui" deutlich unterstreicht. Ryusui heißt übersetzt: das Rauschen des Baches. Und wen wundert es da, dass auf dem Deckel der Savonette eine Monogrammkartusche im "rauschenden Bach" schwimmt.
Ausgabe 8: Pilotenuhr
Pragmatische Sachlichkeit um 1940
Bei diesem Uhrenmodell standen die Bedürfnisse von Militärpiloten im Blickpunkt. Überdimensionierte arabische Ziffern und die markanten Zeiger sollten das optimale Ablesen der Zeit auch bei schlechten Lichtverhältnissen ermöglichen. Jedes Modell musste vor der Lieferung von einer amtlichen Prüfstelle kontrolliert werden.
Ausgabe 7: Arabeskenuhr
Savonnette im Stil der 1870er-Jahre

Bei der Gestaltung von Taschenuhren kannte die Fantasie der Uhrmacher und Goldschmiede keine Grenzen – sofern es den Geschmack der jeweiligen Zeit traf. Bereits im 16. Jahrhundert wurde es Brauch, Uhrschalen rundum zu gravieren und den Schutzdeckel zu durchbrechen. Das hier verwendete Arabeskenmuster entstammt ursprünglich der islamischen Kunst.
Ausgabe 6: Rendezvous-Uhr
Handwerkskunst auf kleinstem Raum

Tragbahre Uhren besitzen von jeher eine sachliche und schmückende Funktion. Bei dieser Uhr haben die Gehäusemacher besonderen Wert auf die dekorative Rückseite gelegt. Ursprünglich wurd das Bild in Cloisonné-Emailtechnik ausgeführt. Diese Handwerkskunst konnte mehr als 50 Arbeitsgänge und 100 Stunden Arbeit bedingen.
Ausgabe 5: Amulettuhr
Vom Fernen Osten inspiriert

Mit dieser Amulett-Taschenuhr haben japanische Uhrmacher einen Zeitmesser geschaffen, der das Pragmatische (die genaue Zeitangabe) mit dem Übersinnlichen (Glücksbringer) elegant verbindet. Der Rückdeckel trägt eine, für die Zeit typische, reliefartige Aufschrift aus japanischen Schriftzeichen.
Ausgabe 4: Eisenbahneruhr
Die amerikanische Train Watch
Bei diesem Modell handelt es sich um eine Uhr im Stil einer amerikanischen Train Watch des frühen 20. Jahrhunderts. Das übersichtliche Zifferblatt mit der deutlichen Skala sowie den roten Zahlen für die Minuten und Sekunden und den Zeiger vom Typ „Poire“ unterstreichen den Sinn und Zweck dieser Uhr. Dieser bestand nämlich in der Verbesserung der Sicherheit sowie der Fahrplangenauigkeit im Schienenverkehr.
Ausgabe 3: Japanische Eleganzuhr
Ausgehendes 19. Jahrhundert

Dieser Zeitmesser enthält Elemente, die für das ausgehende 19. Jahrhundert in Japan typisch sind. Den wohlhabenden Japanern gefiel der europäische Stil nicht, und sie beauftragten ihre Uhrmacher mit eigenen Entwürfen. Der Karpfen auf der Uhrrückseite steht für Mut, Geduld, und Reichtum.
Ausgabe 2: Jagduhr
Eine Savonette im Gründerzeitstil

Diese Taschenuhr mit Sprungdeckel zeigt einen Goldton mit silberfarbener Monogrammkartusche; ihre Pommezeiger wurden von Abraham-Louis Breguet TM inspiriert. Dieser Uhrentyp war ursprünglich für Jäger und Reiter gedacht.
Ausgabe 1: Philosophenuhr
Im Stil des frühen 20. Jahrhunderts

Diese Uhr mit Stahlgehäuse nach dem französischen Uhrmacher Lépine stellt die für die Zeit typischen Rokoko-Elemente in den Vordergrund. Ihr Sinnspruch – auf Deutsch etwa „Die alles verschlingende Zeit“ – ist ein eher selten benutztes Stilelement.
Hochwertige Aufbewahrungs-Schatullen
Stilgerecht und sicher präsentieren
Damit Sie Ihre Taschenuhren stilgerecht präsentieren und sicher aufbewahren können, bieten wir im Laufe der Serie speziell für diese Sammlung entworfene Aufbewahrungs- Schatullen an (Kapazität für 30 Uhren). Weitere Informationen dazu finden Sie in Ausgabe 1.
